Ich ärgere mich über mich selbst. Heute Morgen hatte ich ein Kennenlerngespräch mit einem Menschen, der sich, fast vorgeblich, sage ich jetzt, für mein Soul & Business-Retreat am Meer interessierte. Diese 20-minütigen Gespräche dienen dazu, sich ein wenig kennenzulernen, um entscheiden zu können, ob man miteinander arbeiten will oder nicht. Es kann vorkommen, dass ich auch von meiner Seite empfehle, mit jemandem anderes zu arbeiten, wenn mir das Vorgespräch zeigt, dass, fachlich und persönlich, keine Passung gegeben ist.

Natürlich freue mich über neue Interessent:innen, weil das Retreat am Meer so sinnstiftend, sehr kreativ im Flow gestaltet ist und viel Spaß macht.

Diese Kundin meinte, sie suche ein „Verreisen mit Sinn“. Sie wäre gerade in einer Lebenskrise und würde seit Langem schon nicht mehr glücklich sein. Bis hierhin war alles noch im grünen Bereich und sie hätte eine Kundin werden können, weil ihr Thema gut zum Retreat passt. Und dann habe ich nicht aufgepasst. Es folgte eine längere Beschreibung, was alles schlecht laufend würde und mit dem Fazit: Ich lebe das Leben der anderen.

Auf den Hinweis, dass das Retreat am Meer einerseits einen Erkenntnisprozess anstößt und andererseits aber auch konkretes Tun erfordert, und das genau der Grund sei, warum viele zu mir kommen, weil sich wirklich etwas in ihrem Leben in die richtige Richtung bewegen würde, sagte sie:“Ich hatte ja mal ein Coaching, das hat mir nichts gebracht.“ Auf meine Frage, was es denn hätte bringen sollen und was sie konkret gemacht hätte, wurde es still. Sie sagte dann, sie habe schon alle möglichen Leute kontaktiert und den kostenlosen Content genutzt, aber es hätte sich immer noch nichts geändert. Allerspätestens hier hätte ich erkennen können, dass ich eine Besucherin am Telefon habe.

Ich liebe das Konzept von Steve de Shazer. Er sagt, wenn Menschen wegen deines Angebots Kontakt mit dir aufnehmen, musst du schnell lernen zu erkennen, ob du es mit einem Besucher, einem Geschickten oder einem Kunden zu tun hast.

Der Geschickte – Ich habe kein Problem, sondern die anderen

Die Geschickten sind die, bei denen ein anderer Mensch gesagt hat: „Ich glaube, du solltest mal zum Coaching gehen.“ Sie haben ein Problem gesehen, wie ausbaufähige Führungskompetenz oder die Fähigkeit, konstruktiv mit Konflikten umzugehen. Die Geschickten kommen auch brav in die Vorgespräche, beteuern aber wortreich, dass ja nicht sie, sondern der Chef oder die Ehefrau, die sie geschickt hätten, eigentlich das Problem haben. Von daher wären sie hier eigentlich falsch, würden aber des lieben Friedens wegen das Gespräch gesucht haben.

Sie haben kein Problembewusstsein, und wollen auch gar nichts verändern. Wenn man hier einen Coachingprozess startet, ist das Scheitern vorprogrammiert. In manchen Firmen kann das schon mal passieren, dass die Menschen, weil der Druck sonst zu groß wird, die Sessions wahrnehmen. Aber das Ergebnis kannst du dir ja vorstellen. Es bewegt sich in der Regel nichts. Da kann man dann zu Recht sagen: “Das Coaching hat nichts gebracht.“ Sollte es ja auch nicht.

Idealerweise sollte man als Coach solche Aufträge gar nicht erst annehmen, weil dieser Mensch am Ende eins sicher nicht tut: von dem Coaching schwärmen und somit andere auf mich aufmerksam machen.

Eine kleine Geschichte dazu: Ein Arbeitnehmer – ein Geschickter – wurde vor die Wahl gestellt, gekündigt zu werden oder eine Beratung in Anspruch zu nehmen, da seine Performance trotz aller Unterstützung und Hilfen unterirdisch war. Die Firma hatte eine interne Sprechstunde bei mir eingekauft, sodass ich für die Zeit, dort zu sein, bezahlt wurde.

Der Mann kam und es stellte sich heraus, dass ein Teil seiner schlechten Leistung daran hing, dass er die Umstellung von Akten, die er handschriftlich führen konnte, auf die digitale Akte nicht mitgemacht hatte. Er konnte schlichtweg nur mit 2 Fingern tippen und das nur extrem langsam. So kam er über 2 Jahre so in Verzug, dass zunehmend noch seine Motivation in den Keller sank. Als das deutlich wurde, war die Empfehlung, schlichtweg einen Schreibkurs bei der Volkshochschule zu besuchen. Er trug sich ein und ging, wie du dir vorstellen kannst, nur einmal hin. Danach hatte er immer irgendwelche Gründe, warum es gerade nicht passte.

Am Ende, von mir etwas konfrontiert, stellte sich heraus, dass er auch gar kein Interesse hatte, sich für den Arbeitsplatz zu aktualisieren, sondern hoffte, auf diesem Wege mit Abfindung gekündigt zu werden und mit der Einwilligung zur Beratung nur Zeit schindete. So hatte im Grunde nur sein Arbeitgeber das Problem, aber er nicht. Und daher gab es auch keine Motivation, wirklich etwas zu verändern.

Der Besucher – Ich komme mal vorbei und lade meine Probleme ab

Der Besucher sucht eins: „Entlastung“. Seine Haltung: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ Er macht deutlich, wie spannend er Coaching findet und hat das er es auch schon ausprobiert hat. Aber, leider leider, habe es immer nichts gebracht. Eine ganz typische Aussage, die du auch bei meiner oben beschriebenen Besucherin gefunden hast. Er ist aber durchaus bereit, wortreich seine oft vielfältigen Probleme zu schildern, weil du ihn ja wirklich umfassend verstehen musst, damit er dich bucht. Oft bestehen die Probleme schon viele Jahre und bisher wären alle Versuche, sie aufzulösen, ins Leere gelaufen. Dabei hätte man doch schon all die kostenlosen Angebote der weisen Menschen genutzt, aber genützt habe irgendwie nichts.

Spätestens hier sollte man eigentlich das Gespräch freundlich beenden oder zumindest die Frage stellen, was der Besucher sich denn als Ergebnis für das Coaching wünscht. Jetzt wird es oft unklar und es wird wiederholt, wie schlecht es einem geht. Am liebsten hätte man eine Pille, die man einfach nur schlucken müsste und die alles verändern würde.

Meine Besucherin schrieb mir im Anschluss an unser Telefonat:“ Ihr wäre klar geworden, sie eine Traumabehandlung. Jemand von außen, der macht und auflöst. Ich selbst bin so müde vom Tun und Machen, ich kann nicht mehr.“ Auf meinen zarten Hinweis, ich sei auch Traumatherapeutin, bekam ich, wie erwartet, keine Antwort mehr. Das hätte ja auch etwas verändern können…

Es tut mir von Herzen leid, wenn jemand müde geworden ist und vielleicht wäre hier eine Psychotherapie eine gute Wahl. Ich kann das Gefühl nachempfinden, dass jemand anderes einfach mal etwas tun möge, und man nicht selbst für sich verantwortlich sein muss. Aber selbst in einer Psychotherapie verändert nicht die Therapeutin das Leben, sondern am Ende ist man selbst gefordert.

Manchmal verblüffe ich Besucher damit, dass ich sie frage, was ich tun müsse, wenn sie sich entschlössen, mit mir zu arbeiten, damit es auch nichts bringen würde. Wie du dir vorstellen kannst, bekomme ich dann eine Geschichte, dass der Coach, bei dem sie waren, so merkwürdig drauf war und so komische Sachen vorgeschlagen hat, die alle ja nichts gebracht hätten. Manchmal lasse es mir nicht nehmen, zu fragen, ob sie eine der Dinge, die da vorgeschlagen wurden, auch umgesetzt oder angewandt hätten. Die Antwort ist oft ein empörtes „Nein, natürlich nicht!“.

Steve de Shazer empfiehlt natürlich, mit den Besuchern nicht zu arbeiten, sondern sie möglichst schnell höflich aus dem Raum zu führen und zu verabschieden. Besucher wollen (oft unbewusst) keine Veränderung, sondern nutzen Kennenlerngespräche nur, um etwas Druck loszuwerden, um einfach wie gewohnt weitermachen zu können.

Der Kunde – Ich will eine Lösung für mein Problem

Die Kund:innen habe ich am liebsten, allein, weil ich hier mit all dem, was ich kann, wirkungsvoll sein kann. Ein Mensch, der sich einer Herausforderung stellen möchte und wirklich eine Veränderung anstrebt, gilt nach Steve de Shazer als Kunde. Er ist bereit, sich auf den Prozess einzulassen, zu lernen und seine Verhaltensweisen zu verändern. Er ist übrigens auch bereit, Ressourcen in Form von Geld und Zeit bereitzustellen. Bei ihm gibt es in der Regel nicht den Satz, den der Besucher bringt „das ist aber teuer“, sondern der Kunde lässt sich sehr genau schildern, was der Mehrwert der Dienstleistung für ihn sein wird und ist dann bereit, in sich zu investieren. Er investiert auch seine Zeit, um Raum für das Coaching zu haben und die erarbeiteten Dinge in seinen Alltag zu integrieren. Der Kunde will in neue Fahrwasser einbiegen.

Gerade habe ich wieder einen Menschen durch ein Soul-Retreat am Meer begleitet. Es ging, wie so oft bei den Retreats, um eine Neuorientierung, verbunden mit einer Lebensstilveränderung. Oft möchten die Menschen mehr Sinn erfahren, sich gesünder fühlen, leistungsfähiger sein oder ihr Business erfolgreicher ausrichten.

Sie kommen, weil sie etwas verändern wollen und sind bereit, sich auf Neues einzulassen, in ihrem Leben zu integrieren. Ob es der Kontakt mit ihrem Krafttier ist, eine neue Haltung zu gewinnen, konflikthafte Situationen zu klären, alte Zöpfe abzuschneiden oder neue Techniken auszuprobieren, sie sind bereit für das Neue und Schöne in ihrem Leben.

Ein Kunde sagt am Ende:“Das Coaching war jeden Cent wert und es hat mein Leben verändert.“ Er hat den Mehrwert erkannt und weiß natürlich auch, dass er selbst arbeiten und etwas tun muss, wenn sich etwas verändern soll. Steve de Shazer würde auch sagen, dass das mit der tiefere Sinn ist, nur mit Kunden zu arbeiten. Am Ende sind sie zufrieden, du warst wirkungsvoll und sie empfehlen dich weiter.

Auch wenn wir in einen Flow miteinander kommen, in dem ich die für den Kunden passenden Tools aus meiner gut gefüllten Methodenkiste hole, ist es am Ende er, der die Dinge in seinem Leben verändern muss.

Vielleicht wirst du mir zustimmen. Am Ende sind wir selbst für uns und unser Leben verantwortlich. Wir können uns Hilfe holen, weil man neue Ideen braucht, aber am Ende können nur wir unsere Haltung und unser Tun beeinflussen und ändern. Damit verändert sich auch die Qualität unseres Lebens. Darin liegt auch die Magie. Und, die Veränderungen müssen oft gar nicht so groß und schwerwiegend sein, denn ein Grad Kursveränderung führt auf lange Sicht zu einem neuen Land.

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